ßen, denn hier fließt viel vergeblich Blut, die Ruſſen ſind uns doch zu ſtark.“
„Ich weiß, daß mein Vater ſo dachte,“ redete Adrian, ſich ſchnell auf das ſchon lange bereite Märchen beſinnend,„und auch meine Brüder denken ſo und hätten mich nicht fortgelaſſen, den heiligen Kampf mitzukämpfen, darum entfloh ich heimlich aus Paris und mittellos und arm komme ich hier an— und muß jetzt hören, daß der Vater, deſſen Verzeihung und Beiſtand ich erhoffte, nicht mehr am Leben iſt.“
„Es thut mir leid, junger Herr Adrian, aber was ſoll ich ſagen? ich habe Ihren Herrn Bater ſehr lieb gehabt und er hat Vertrauen bewahrt zu dem alten Abraham bis zu ſeiner letzten Stunde, ich will auch für ſei⸗ nen Sohn thun, was ich kann; bleiben Sie hier, Herr Graf, heute und morgen, und ruhen Sie ſich aus, und übermorgen will ich Ihnen ſchreiben einen Brief an den Prinzen Waſa und wenn Sie wollen kämpfen, ſoll er Sie aufnehmen in ſein Corps.“
Adrian dankte ihm, und da der Diener eben mit zwei ſchweren filber⸗ nen Armleuchtern hereintrat, hieß der Alte ihm voranleuchten und ſtieg mit Adrian die teppichbelegte Treppe hinauf, zu dem oberen Stockwerke, wo be⸗ reits Alles in hellem Feiertagsſchmucke prangte. 4
Hier wurde dem jungen Grafen ein Zimmer angewieſen und nachdem er mit Behaglichkeit den weiten und bequemen Raum durchmeſſen hatte, nahm er ſchnell aus dem Reiſeſack hervor, was ſeinem Aeußeren einen erhöh⸗ ten Anſchein von Eleganz zu geben vermochte.
Von dem ihn abholenden Diener geführt, betrat er alsdann das Ge⸗
ſellſchafts⸗ und Familienzimmer des reichen Kaufmanns. Es war mit der äußerſten Pracht eingerichtet; türkiſche Teppiche be⸗
deckten den Fußboden, franzöſiſche Gobelintapeten die Wände. Sophas und
Stühle waren mit golddurchwirktem Sammet überzogen und von gleichem Stoffe hingen an den Thüren faltige Vorhänge herab. Von glänzenden Kronleuchtern ſtrahlten unzählige Lichter und ſchienen aus den hohen Spie⸗ geln und den glänzenden Marmortiſchen wieder. Vaſen aus China und Statuen aus carrariſchem Marmor ſchmückten den Kaminſims und unter ge⸗ fiederten Palmenblättern ſchaukelte ſich ein bunter Papagei.
Eine fürſtliche Pracht lag in dieſen hohen ſilbernen Kandelabern, dieſen prachtvollen Goldgefäßen auf der Conſole, es athmete ein orien⸗ taliſcher Luxus aus dieſen niedrigen ſchwellenden Polſtern, aus dieſen feinen Wohlgerüchen.
Auf dem Ehrenplatz im Sopha ſaß die Frau des Hauſes, eine Dame von ſtattlicher Würde, deren ehemalige Schönheit noch aus einer jetzt faſt zu großen Korpulenz hervorleuchtete. Sie trug ein grünes Sammet⸗ kleid und Diamanten um Hals und Arme, in den Ohren und in den Haaren.


