nicht erreicht. Zum erſten Male in ſeinem Leben ſah Adrian ſich genöthigt, den weiten Wald zu ſeinem Nachtquartier zu machen, und er that es un⸗ willig genug, legte ſeinen Reiſeſack unter den Kopf und dachte traurig an vergangene Freuden, bis ſeine Jugend und die ungewohnte Ermüdung ihn in Schlaf einwiegten.
Ein Schlaf auf kalter, feuchter Erde hat jedoch wenig Erquickendes. Adrian erhob ſich beim Morgengrauen, und da er nichts zu eſſen hatte, ſo ſuchte er ſeinen Hunger im Gehen zu vergeſſen..
In einem mühſam erreichten Dorfe merkte er zum erſten Male, welch Labſal ſchwarzes Brod und weiße Milch zu bieten vermögen.
Er zahlte es großmüthig mit ſeinem letzten Gelde und wanderte wei⸗ ter, doch ſeine Füße waren müde und wund, er mußte häufig ruhen und erſt zur Abenddämmerung betrat er die Vorſtadt Warſchau's.
Endlich, endlich ſollte die Noth ein Ende haben; aber es war auch Zeit. Seine Kräfte waren auf das Aeußerſte erſchöpft und ein finſterer Groll bemächtigte ſich ſeiner Seele.
Charaktere wie der Adrian's ſehen leicht ein ſelbſt verſchuldetes Unglück als ein ihnen zuſtoßendes Unrecht an. Adrian empfand keine Spur von Reue mehr, nur Kränkung und Mißmuth über ſo viel Aerger und Miß⸗ geſchick..
So ſchritt er an einem hohen Eiſengitter dahin, das ſtattlicher aus⸗ ſah, als man es in dieſem ärmlichen und düſteren Theile Warſchau's ver⸗ muthet hätte. 8
Ueber die ſchwarzen Stäbe blickten hohe, alte Bäume zu ihm hin, grünender Raſen ſchimmerte im Strahl der untergehenden Sonne und leiſer Blumenduft drang dem Wandernden entgegen.
Da plötzlich hört er einen Schrei; ein weibliches Weſen ſtürzt in athem⸗ loſen Laufe dem Gitter zu, verfolgt von einem Manne——
Adrian ſtieß die Pforte, an welcher er ſich ſoeben befand, mit einem Fußtritt auf und drang in den Garten.—.
Wie ein gejagtes Reh floh die weiße Geſtalt in ſeine Arme und lag, ſchwer athmend und faſt beſinnungslos, an ſeiner Bruſt, indeſſen ihr Ver⸗ folger Kehrt machte und bald in den Gebüſchen ſpurlos verſchwand.
„Um Gotteswillen, was iſt geſchehen?“ fragte Adrian, als das junge Weib ſich langſam emporrichtete und die dunklen, halb aufgelöſten Flechten von der Stirn zurückſtrich.
„Iſt er fort?“ fragte ſie, noch immer in der höchſten Angft.
„Er iſt fort, und wäre er da, ſo würde ich ihm zu begegnen wiſſen!“ verſetzte er.
„O, wie danke ich Ihnen!“
„Geſtatten Sie mir, Sie in Sicherheit zu bringen.“


