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Wenn er ſich den inquiſitoriſchen Fragen der ruſſiſchen Beamten nicht zu entziehen vermochte, ſo war nicht nur ſein Leben, ſo war auch das ſeines Vaters gefährdet— und mehr noch— der wackere Jude, deſſen Redlichkeit die Erhaltung ſeines Vermögens allein zu danken war, verfiel, weil er einen Verfolgten beherbergt und verborgen, in eine entſetzliche Strafe.—
Und doch war es gerade der Mangel dieſes in ſo edler Weiſe geretteten Geldes, was den jungen Grafen am meiſten verdroß.
Mit einer reichgefüllten Börſe hätte er den ruſſiſchen Vigilanten getrotzt, wußte er doch, welch eine mächtige Waffe ihnen gegenüber das Gold iſt. Ein leichtes Fuhrwerk, ein ſchnelles Pferd hätten ihn in einer kurzen Tage⸗ reiſe nach Warſchau gebracht— und die Erfindung war fertig, mit welcher er ſeinem Vater dieſe eilige Flucht aus Paris erklären wollte.
War es doch genug, ein Pole ſein, um vor Kampfesmuth zu brennen. Wer glaubte es ihm nicht, wenn er erklärte, nicht mehr in Paris ausdauern zu können, während ſeine Landsleute bluteten?
Der junge Graf hatte viel gelernt, ſeitdem der Chevalier de la Guerrie ſich zu ſeinem Mentor machte.
Nun aber war er aller pecuniären Hülfsmittel beraubt. An keine leiblichen Entbehrungen gewöhnt, hatte er unterwegs für gutes Quartier und noch beſſeres Eſſen und Trinken zuerſt ſeine Juwelen, dann ſeine Kleidungsſtücke, zuletzt gar den Reiſekoffer verkauft.
Die Taſche war nicht ſchwer, die er ſo widerwillig trug.
Doch nicht das allein.
Eben dieſer Verkauf der nothwendigſten Gegenſtände hatte ihn den ruſ⸗ ſiſchen Behörden verdächtig gemacht. Ehe er es ſich verſah, war er von forſchenden Blicken umgeben, unheimliche Geſtalten drängten ſich an ihn, und um der Gefahr zu entſchlüpfen, beſtieg Adrian eines Abends einen Bauerwagen und fuhr auf großen Umwegen, doch ſchnell genug dem Orte ſeiner Beſtimmung zu.
Indeſſen hatte er auf unbequemer Fahrſtraße Warſchau noch lange nicht erreicht, als plötzlich ein Trupp polniſcher Soldaten aus dem Walde ſprengte und dem Bauer erklärte, das Vaterland bedürfe ſeines Fuhrwerks, um einige gefährlich verwundete Offiziere in das Lazareth zu transportiren.
Der Bauer ſah das ein, und Adrian war gezwungen, ſeinen Sitz zu verlaſſen, was er mit einem tiefen Seufzer und ſchmerzlicher Erinnerung an vergangenes Wohlleben langſam genug that.
Bis zu dem nächſten Dorfe begleitete ihn ſein Führer, dann mußte er nach der Beſchreibung deſſelben ſich ſeinen Weg allein ſuchen.
Doch findet ſolch ein Weg ſich eben nicht allzu leicht, wenn man vor nahem Gewehrfeuer bald nach Rechts, bald nach Links ausbiegen muß. Der Abend kam und noch war die Chauſſee, die nach Warſchau führt,


