Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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jenigen Erklärungen nicht geben zu dürfen, die ſeinen Beſuch des Opern⸗ hauſes als eine gebieteriſche Pflicht hätten erſcheinen laſſen, der er ſich nicht entziehen durfte. Er nahm daher zu einer Unwahrheit ſeine Zuflucht.

Es findet heut Abend im Hospital eine bedeutende Operation ſtatt, ſagte er, jedoch ohne Henriette anzuſehen, denn er ſtand noch immer vor dem Schranke,bei der ich dem berühmten Profeſſor Nelaton aſſiſtiren muß..

Henriette war leichtgläubig und vertrauensvoll genug, um ihm auf's Wort zu glauben.

Die böſen Profeſſoren, ſagte ſie ſchmollend,nicht einmal den Abend laſſen ſie den jungen Leuten frei! Und die garſtige Medizin überhaupt hätte ich Dich früher kennen gelernt, ſo hätteſt Du das blutige Handwerk gar nicht ergreifen dürfen!

Henriette ſchmälte oft auf die löbliche Arzneikunſt, und unter andern Umſtänden hätte es Sigismund gewiß nicht unterlaſſen, ihr einen belehren⸗ den Vortrag über die Wichtigkeit der mediziniſchen Wiſſenſchaft im Haus⸗ halte der Menſchheit und über das Ehrenvolle der Beſchäftigung mit der⸗ ſelben und der ärztlichen Thätigkeit zu halten heute aber hatte er dazu keine Ruhe, er überhörte daher den Angriff Henriettens auf die Medizin und beendigte ſeine Beſchäftigung an dem erwähnten Schranke, deren Zweck geweſen war, einige Verbeſſerungen an ſeiner Toilette anzubringen ſie zu wechſeln, wäre er nicht im Stande geweſen, da der Anzug, worin wir ihn zuerſt kennen gelernt haben, der einzige war, welchen er beſaß.

Sobald er fertig war, trat er zu Henriette, drückte einen Kuß auf ihre Wange und ſagte:

Auf Wiederſehn, mein Liebchen, ſo früh es möglich iſt, kehre ich zurück!

Damit begab er ſich nach der Thür.

Adieu, mein Sigismund! rief ihm Henriette nach.Sei vorſichtig wenn Du Blut an Dir haſt, fürchte ich mich immer vor Dir! ſetzte ſie halb ernſt, halb ſcherzend hinzu..

Der junge Pole hatte bereits den Thürgriff in der Hand er er⸗ widerte nichts, ſondern warf nur noch einen freundlichen Blick zurück, nickte zum Abſchied, und verſchwand dann auf dem dunklen Flur.

Henriette hörte ihn die Treppe hinunterſteigen, eilte dann an's Fenſter, um ihm nachzuſehen aber ſie wohnte ja in der fünften Etage, das hatte ſie vergeſſen, nichts konnte ſie ſehen als ein Streifchen Himmel und ein Stück des gegenüberliegenden Hauſes..

Wir ſind dem Leſer einige Aufſchlüſſe über Sigismund Krotowski, ſo⸗ wie über Henriette ſchuldig, die wir ſo unvorbereitet eingeführt haben.