Teil eines Werkes 
3. Theil (1864)
Entstehung
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gleichzeitigen Bewegung des Kopfes und der Arme die Stickerei bei Seite und die reichen Flechten ihres blonden Haares zurück, eilte auf den An⸗ kömmling zu und rief, indem ſie ihre feinen, unverhüllten Arme um ſeinen Hals ſchlang:

Sigismund, biſt Du endlich da?.

Ein herzlicher Kuß verſüßte zugleich den in dieſen Worten anklingenden leiſen Vorwurf.

Bin ich zu lange ausgeblieben, ſüße Henriette? ſagte der junge Pole, indem er ſich die Liebkoſungen des Mädchens gefallen ließ, und mit einer Zerſtreutheit, welche die Innigkeit der Wärme ſeines Tones nicht wenig beeinträchtigte.

Wollteſt Du nicht um ſieben Uhr hier ſein, und ſieh', bald wird es acht Uhr ſchlagen! erwiderte Henriette und zeigte bei den letzten Worten auf eine an der Wand hängende, altmodiſche Stubenuhr.

Ich bin aufgehalten worden! ſagte Sigismund, indem er Henriettens Arme ſanft von ſeinen Schultern nahm und ſie auf ihren Platz zurückführte.

So, aufgehalten? entgegnete dieſe mit reizendem Schmollen,einen Freund getroffen, mit dem man nothwendig einen Abſynth trinken mußte, während die arme Henriette zu Haus allein ſich langweilte! Aber nun biſt Du ja hier, plauderte ſie weiter, als Sigismund nicht antwortete,und es ſoll Dir verziehen ſein, wenn Du hübſch artig biſt, und Deiner kleinen Henriette etwas vorlieſ't ich höre Dich ſo gerne leſen, Du ſprichſt das Franzöſiſche ſo allerliebſt ſchlecht und nachher ſetzen wir unſern polniſchen Unterricht fort

Sigismund antwortete noch immer nicht, vielmehr ſchien er gar nicht auf die hübſche kleine Schwätzerin zu hören, ſondern machte ſich an einem Schranke, der an der Wand des Zimmers ſtand, zu thun.

Was iſt Dir, Sigismund? fragte Henriette nun plötzlich beſorgt. Iſt Dir etwas Unangenehmes begegnet? Biſt Du krank?

Nichts von alledem, liebe Henriette! ſagte nun endlich der junge Pole, indem er ſich halb zu dem Mädchen umwandte,aber ich muß fort, und bedaure daher, Deine Wünſche nicht erfüllen zu können!

Du mußt fort? wiederholte Henriette mit Erſtaunen,fort am Abend und ohne mich? Verzeihe, das iſt ſo ungewöhnlich wohin mußt Du denn gehen? fragte ſie pikirt; es war der Argwohn keimender Eiferſucht, welcher ihr dieſe Frage eingab.

Sigismund mochte ihr die Wahrheit nicht ſagen; einerſeits würde es ſie gekränkt haben, wenn er ihr geantwortet hätte, er gehe allein nach der Oper, denn er pflegte keins der ſeltenen Vergnügen, die ſeine beſchränkten Mittel geſtatteten, ohne ſie zu genießen, und ſie hatte auch gewiſſermaßen ein Recht auf die Theilnahme daran; andrerſeits aber glaubte er ihr die⸗