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Der ſo Angeredete ſah ſich überraſcht um, denn er hatte vorher Nie⸗ mand hinter ſich gehen hören. Jetzt indeſſen gewahrte er eine menſchliche Geſtalt, die tief in einen Mantel gehüllt an der Mauer lehnte, und deren Geſicht er um ſo weniger erkennen konnte, als die in der engen Straße ſehr früh eintretende Dunkelheit durch die mangelhafte Beleuchtung wenig gemildert wurde— es gab Stellen, wohin wegen der vorhin erwähnten Vorſprünge und Ecken gar kein Licht von den wenigen in der Rue St.
Hyacinthe aufgeſtellten Gaslaternen drang, und diejenige, wo der als Sigis⸗
mund Krotowski angeredete junge Pole ſich mit dem Unbekannten im Mantel augenblicklich befand, gehörte zu dieſen.
„Was wollen Sie von mir?“ fragte Sigismund, indem er ſich dem Unbekannten unwillkürlich näherte. Die Frage klang zwar ſtolz und feſt, war aber doch nicht frei von einem gewiſſen Befremden, das nahe an Be⸗ ſorgniß ſtreifte.
„Sind Sie Patriot?“ fragte der Unbekannte dagegen.
„Mit welchem Rechte ſtellen Sie dieſe Frage?“ ſagte Sigismund bei⸗ nahe zornig. 5
„Hat das Vaterland kein Recht auf Sie?“ lautete die Erwiderung.
Sigismund antwortete ohne Zögern.
„Das Vaterland wohl, aber wer ſind Sie?“
„Ein Beamter deſſelben.“
Sigismund überlegte einen Augenblick. Könnte man ihm eine Falle ſtellen wollen? Nein, denn er war ſich keiner Privatfeinde bewußt, und der ruſſiſchen Regierung erſchien er wohl zu unbedeutend, um ihn bis nach Paris zu verfolgen.
Nach einer kurzen Pauſe ſagte er daher vollkommen ruhig und nur noch erwartungsvoll:
„Nun wohl, ich bin Patriot; was verlangt mein Vaterland?“
Doch der Unbekannte ſchien noch nicht Willens, durch die einfache Be⸗ antwortung dieſer Frage ſeine Erwartung zu befriedigen, er fragte vielmehr weiter:
„Warum verträumt Sigismund Krotowski in den Armen eines Mäd⸗ chens die Zeit, die dem bedrängten Vaterlande gehört?“
Der junge Pole ſtutzte— woher kannte der Fremde ſeine Verhält⸗ niſſe?
Der Letztere ließ ihm keine Zeit zur Erwiderung, er fragte weiter:
„Warum ſchwingt er nicht auf den Schlachtfeldern Polens das Schwert ſtatt in den Hospitälern von Paris die Lanzette?“
Jetzt antwortete Sigismund, verletzt durch das Mißtrauen in ſeinem Patriotismus und ſeinen Muth:
„Wenn Sie meine Lebensweiſe ſo genau kennen, Fremder, ſo müſſen
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