273
gierungsräthe gewöhnlich ſo, und bekommt meine Schwe⸗ ſter etwa ein ähnliches Koſtüm, wenn ſie ſeine Frau wird?“
„Der Landammann trägt den Trauermantel, um ſeinen Schwager zur letzten Ruheſtätte zu begleiten“, ſagte Profeſſor Hermann ernſt.„Ich als Ausländer kann mich dieſer Sitte eher entſchlagen.“
Dann ſah er auf die Uhr.
„Es iſt Zeit. Wir müſſen, ſo hart es iſt, den Landammann darauf aufmerkſam machen.“
Es bedurfte deſſen nicht. Ein paar Glockenſchläge, welche dumpf vom Dome der Stadt herüberklangen, ſagten dem Landammann, daß er Abſchied nehmen müſſe.
„Verzeih!“ ſagte der Rittmeiſter zu dem Profeſſor, als er ſah, daß der Profeſſor ſeine Luſtigkeit für nicht recht am Platze hielt.„Ich habe den Todten nie ge⸗ kannt. Und wenn man ſo oft mit knapper Noth dem Tode entronnen iſt, wie ich, freut man ſich doppelt des Lebens. Und dann belebt es mich, daß meine ſo ſchwermüthige Angelika einmal glücklich iſt. Und end⸗ lich entzückt mich der neue famoſe Schwager. Uebrigens werde ich mit zum Begräbniß gehen, denn ich gehöre ja auch bald zur Verwandtſchaft.“
So plauderte der Rittmeiſter weiter, als er gleich v. Schlägel, Die Volksbeglücker. 18


