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Endlich waren ſie vor den Zimmern Angelikas im Hotel angekommen.
Beim Erſteigen der Treppen ſchien es, als ob der Landammann plötzlich ſehr müde geworden ſei. Auch vor der Thüre blieb er ſtehen, bis der lebendige Ritt⸗ meiſter dieſelbe öffnete.
Da befanden ſich die drei Männer vor einer hohen bleichen ſchönen Dame, welche regungslos in der Mitte des Zimmers ſtand. Jetzt überdeckte ſich das mar⸗ morne Geſicht mit einer glühenden Röthe, die hohe Ge⸗ ſtalt trat einen Schritt vor, daß das ſchwere Seiden⸗ kleid rauſchte, und ſtreckte die Hand aus...
Der Landammann beugte ſich in ſprachloſer Be⸗ wegung auf dieſe Hand nieder.
Der Rittmeiſter faßte den Profeſſor unter den Arm und zog ihn an das Fenſter. Dort genoß man eine ſchöne Fernſicht über den See.
„Alſo auch Du, mein weiberſcheuer Pädagog!“ lachte der Offizier.„Trotzdem ich immer das Gegen⸗ theil gehört, Liebe und Romantik ſcheinen hier in der Luft zu liegen. Ich ſelber ſpüre beim Anblick des Sees eine ſo unnennbare Sehnſucht... Doch, ſage mir, beſter Freund, was hat denn unſer Rath für ein kurioſes Kleidungsſtück am Leibe. Ich hätte faſt laut aufgelacht, als ich es ſah. Tragen ſich hier die Re⸗


