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dem Landammann verneigte.„Ich ſchätze mich glück⸗ lich, den Mann kennen zu lernen, den mein Freund und Lehrer ſo hoch verehrt und deſſen Andenken meine Schweſter nun zehn Jahre treu bewahrt hat. Ich würde mit den Herzensgeheimniſſen meiner lieben Schweſter nicht ſo aufrichtig ſein, hätte mir der Herr Profeſſor die Ihrigen nicht ebenfalls mitgetheilt. Erlauben Sie, daß ich Ihnen eben ſo freundlich als achtungsvoll die Hand reiche.“ Der Landammann ergriff mit beiden Händen die ausgeſtreckte Rechte des jungen Mannes. „Und... Angelika?“ ſtieß er hervor. „Iſt hier und erwartet Sie. Wir ſind abgeſandt, Sie zu ihr zu führen.“ Mit dem Feuer eines zwanzigjährigen Jünglings griff der Landammann zu ſeinem Hut. „Kommen Sie, meine Herren, kommen Sie!“ Auf der Straße war er ſeinen Begleitern ſtets um einige Schritte voraus, und die Leute wunderten ſich, als ſie den ſonſt ſo ernſten Landammann mit Trauermantel und dem glücklichſten Geſichte über die Straße eilen ſahen. „Ein prächtiger Mann!“ ſagte der Rittmeiſter zu dem Profeſſor.„Jetzt begreife ich meine Schweſter voll⸗ kommen, was mir bisher nicht recht gelingen wollte.“


