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ſchlummernz Hedwig blickte auf die Ankömmlinge, als ſeien ſie ſchon lange da, und reichte dem Profeſſor mit traurig⸗freundlicher Unbefangenheit die Hand. Dem Händedruck ihres Bruders erwiderte ſie ſchüchtern und verlegen. Es war zum erſten Male, daß der Profeſſor die beiden Geſchwiſter einander gegenüber ſah. Es war ihm, als werde die ſcheue träumeriſche Seele Hedwigs angefröſtelt von der klaren verſtändigen Ruhe, welche in dem Weſen des Landammanns lag.
Frau Bertha, die ihnen gefolgt war, mußte ſich abwenden, um einen gewaltſamen Ausbruch des Schmer⸗ zes zurückzuhalten.
Nach einiger Zeit öffnete der Nationalrath die Au⸗ gen. Es ſchien ihm Mühe zu machen, die Umſtehenden zu erkennen. Der Profeſſor ſtand ihm zunächſt, und all mählich ſchien mit den Zügen ſeines einſtigen Schütz⸗ lings auch die Erinnerung an alles in ihm emporzu⸗ dämmern, was ſich an deſſen Perſon knüpfte. Seine Blicke belebten ſich mehr und mehr. Unſicher taſtete er mit der Hand, als ſuche er etwas. Endlich hatte er Hedwigs Finger, welche auf der Lehne des Stuhles lagen, erreicht. Er umfaßte ſie. Dann erhob er gegen den Pro⸗ feſſor ſeine Rechte, als ob er ihm die Hand reichen ſolle.
Eine hohe Glut ſtieg in die Wangen Hermanns,


