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Die Volksbeglücker : eine Erzählung : ein Band / von Max von Schlägel
Entstehung
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ſchwächere Nachmittagſonne am wärmſten ſchien und wo man den freieſten Blick hatte auf die Stadt, den See und das Gebirge. Da ſaß nun der Nationalrath mit blutloſem Angeſicht, die trüben Augen manchmal müh⸗ ſam öffnend und mit verſchleiertem Blick hinausſchau⸗ end auf das herrliche Land zu ſeinen Füßen. Oft fielen ſeine Augen wieder zu und er ſchien in tiefen Schlaf zu ſinken und manches im Traume vor ſich hin⸗ zumurmeln. Dann wieder ſchoß eine jähe Röthe in ſeine Wangen. Er athmete raſch wie in äußerſter Seelenangſt und öffnete groß und ſtarr die Augen, während die zitternden Hände ſich bemühten, empor nach dem Herzen zu gelangen.

Hedwig kauerte daneben auf einem niedrigen Gar⸗ tenſchemel, von Zeit zu Zeit aufmerkſam in das Geſicht des Schwerkranken ſchauend, dann wieder hinausblickend auf die bunte grüne ſonnenbeglänzte Welt. Manchmal auch flößte ſie dem Kranken mit der ihr eignen Zart⸗ heit einen Löffel voll Aether ein.

Die Augen des Nationalraths blieben dann wol einen Augenblik auf ihr ruhen, und über ſein Geſicht, obwohl es unbeweglich war, glänzte es wie der Schim⸗ mer eines Lächelns.

Als der Landammann und der Profeſſor näher kamen, hatte Wenggy die Augen geſchloſſen und ſchien zu