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ſelbſt die Heimat, opfert, in meinem Hauſe herzlich
willkommen heiße, wenn jene Ueberzeugung auch nicht
die meinige wäre.“
Die beiden Männer hielten einige Augenblicke ei⸗ ner des andern Hand und ſahen ſich ernſt in's Ge⸗ ſicht. Dann nahm Profeſſor Hermann die Unterhal⸗ tung wieder auf.
„Ich weiß aus Ihrer journaliſtiſchen Thätigkeit, daß Sie kein Freund des deutſchen Einigungswerkes ſind und— ich billige und begreife das nicht,— doch wie dem ſei, auch ich achte jede ehrliche und offene Ueber⸗ zeugung.“
Der Nationalrath ſchwieg. Sein ernſtes Geſicht
ſchien anzudeuten, daß er das Geſpräch in dieſer Rich⸗
tung nicht fortzuſetzen wünſche.
Der Profeſſor fühlte das, griff in die Taſche, zog einen Brief heraus und reichte ihn dem National⸗ rath.
Dieſer ſah flüchtig auf die Adreſſe, die Schrift
ſchien ihm unbekannt, ebenſo das Siegel. Er erbrach
es mit der ihm eigenthümlichen Haſt und las.
Allmählich wurde ſein raſtloſes Auge feſt und klar,
das leiſe Zittern in der Hand hörte auf, ſelbſt unter der gelblichen Bläſſe der Wangen erſchien ein Schim⸗ mer von Geſundheit oder Freude.


