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Volkes ſein, liebe Mutter, mit einer Fauſt von Eiſen jede freie und ſelbſtſtändige Bewegung ſeiner Nachbarn zu erſticken. Frankreich iſt gewaltig genug, um, ſo⸗ lange es nicht in ſeiner eigenen Exiſtenz angegriffen wird, ruhig zuzuſehen, was ſich auch ringsum vollziehen möge. Ich kenne das Spiel nicht, das die gegenwär⸗ tige Regierung ſpielt, ich will es auch nicht kennen, aber ich fühle, daß Frankreich trotz alledem groß und glücklich iſt wie je und daß einem großen und glück⸗ lichen Volke die Politik der Engherzigkeit nicht ziemt, welche Sie ihm zumuthen, Mutter!“
Die Matrone hatte erſtaunt dieſen Worten ihres Sohnes gelauſcht. Ihre Stimme klang faſt ſtreng, als ſie antwortete:
„Hätten ſich unſere Väter ſo leichtfertig der Pflich⸗ ten gegen ihr Land entſchlagen, wir hätten vielleicht keine Gelegenheit, uns im müheloſen Beſitze deſſen, was ſie uns hinterlaſſen, mit einer hübſchen Redensart über die Drohungen der Zukunft zu beruhigen. Auch ich fürchte nichts für mein Vaterland in der Spanne Zeit, die ich noch zu leben habe, aber die wahre Vaterlands⸗ liebe baut nicht für die Ruhe und die Erforderniſſe eines Tages, ſondern für kommende Geſchlechter und Jahrhunderte. Das iſt's, wodurch wir uns für ewige Zeiten von der tobenden Menge unterſcheiden werden,


