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ſchen, welche die Mitte des Lebens erreichen, ohne mit Beſchämung und Reue auf die Verirrungen ihrer Ver⸗ gangenheit zu blicken oder, noch ſchlimmer, über ihre Vergangenheit zu lächeln.
René's Fähigkeiten und Eigenſchaften waren die eines, ſoweit es die Bedingungen unſerer geſ ellſchaftlichen Eriſtenz zulaſſen, normalen Menſchen. Auch er hatte zu verſchiedenen Friſten mit jenem Mangel an Gleich⸗ gewicht zwiſchen den Sinnen und der ſie kritiſirenden Vernunft zu kämpfen, aber das angeborne Ebenmaß ſeiner Natur war, geſtärkt durch ein wechſelvolles und thätiges äußeres Leben, Sieger geblieben, und während es ihn verhinderte, gleich der Welt, in deren Mitte er lebte, in Sinnentaumel und flüchtiger Genußſucht zu verkommen, gab es auch wieder ſeinen Leidenſchaften Kraft genug, da hellauf und gewaltig zu lodern, wo die höchſten Fähigkeiten des Herzens, Bewunderung und Achtung, die reine Flamme entzündeten.
René Mondelion konnte ſich das Zeugniß geben, daß ſein erſter überraſchter Blick in das ernſte Antlitz des jungen Mädchens rein geweſen war von jeder ſinnlichen Neugier, daß er die Eigenthümlichkeit ihres Weſens voll und ganz hatte auf ſich wirken laſſen, ehe er nur daran gedacht, ob das Mädchen, das ſich hülf⸗ reich über den Verwundeten beugte, ſchön oder häßlich


