Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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vor Menſchen, die ſie tief verachtete, den Nacken ge⸗ beugt um deinetwillen. Sie, die von der Entſagung und dem Elend eines ganzen Lebens nie gedemüthigt worden war, hat auf den Knieen gelegen vor der Bru⸗ talität und der Thorheit um deinetwillen! Sie, die im Bruder nicht mehr den Bruder ſah von dem Augen⸗ blick an, da er ſich entwürdigte, hat ſich ſelber er⸗ erniedrigt um deinetwillen, hat ſich für einen Moment der edelſten Aufwallung ſelber die härteſte Buße auf⸗ erlegt um deinetwillen!

René Mondélion ſtellte ſich das herrliche Mädchen vor in Gegenwart des tollen Lords und ſeiner häßlichen Geliebten, wie ſie mit bebenden Lippen die Bitte um Vergebung ſtammelte, während ihr die Thränen der Scham unaufhaltſam über die Wangen herabrannen. Er ſtellte ſich die herrliche Büſte, die er nur im Zuſtand einer ſtolzen Ruhe geſehen, vor, wie ſie ſich ſtürmiſch hob und ſenkte über dem hochklopfenden Herzen, er ſah die ſchönen finſtern Augen verſchleiert von einer unendlichen Zärtlichkeit, die blaſſen Marmor⸗ züge verklärt von der Morgenröthe einer Liebe, die plötzlich und allgewaltig über ſie gekommen war, über ſie, die bisher an nichts geglaubt hatte als an ihr Elend und ihren Stolz.

René Mondélion gehörte zu den wenigen Men⸗

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