Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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ſei. Er konnte daher auch jetzt, da er zum Bewußtſein ſeiner Liebe gekommen war, ſich ohne die ſchwüle Ver⸗ legenheit halber Naturen mit einem Schauer des Ent⸗ zückens der Ahnung überlaſſen, was Louiſon Jaccard dem ſein müſſe, den ſie mit der ganzen Kraft ihrer ſtolzen Seele, mit der ganzen Glut ihrer vollen Weiblichkeit umfaſſe. Ohne Erröthen konnte Mon⸗ délion daran denken, daß ſeine Geliebte, wenn das Glück den herben Ausdruck ihres Geſichts gemil⸗ dert, wenn die Wonne des Lebens ihren ebenmäßigen Gliedern Weichheit und Grazie verliehen, wenn der dunkle Hintergrund eines unwürdigen Lebens von ihr gewichen und die tiefen ſchwarzen Augen die ganze Seligkeit eines freien, ohne Rückhalt liebenden Herzens ausſtrömten, entzückend ſein müſſe.

Die Glückſeligkeit dieſes Gedankens leuchtete aus ſeinen Blicken, die ahnungsvolle Glut dieſer Wonne brannte auf ſeinen Wangen, als er mit elaſtiſchen Schritten die Stufen ſeines Hotels hinan und in das Zimmer ſeiner Mutter eilte.

Die Matrone ſaß in gerader Haltung, als wolle

ſie jedes Zeichen von Altersſchwäche ſorgfältig verber⸗

gen, in ihrem Stuhl am Fenſter, das auf den Garten

des Hotels hinausging. Nur dumpf drang das be⸗

ginnende Geräuſch der die Champs Elyſées füllenden