17
möchten, ohne zu arbeiten, und deshalb wollen wir uns zuſammenthun, um einer dritten Canaille, die mehr hat als wir, das Ihrige zu nehmen und gut davon zu leben. Nachdem wir ſo lange auf uns herumtreten ließen, wollen wir einmal auf den Köpfen der Geſell⸗ ſchaft Cancan tanzen. Wenn ich ſo ſagen würde, Louiſon Jaccard, die moraliſirende Canaille würde es nicht hören wollen; die meiſten Schurken ſind ſchwachköpfig genug, vor ſich und Andern ſich für ausgezeichnete Kerle auszugeben. Und am Ende, was iſt gut und ſchlecht? Wenn er ſo eine hübſche dröhnende Phraſe hört, bläht ſich jeder Hundedieb zum Helden Achilles auf. Sobald wir ſie nur erſt drinnen haben in dem großen Durcheinander— wenn einmal die neue Dreh⸗ kanone unſeres großen Kaiſers zwiſchen ſeine lieben Pariſer kracht, wenn ſie nur die Wahl haben, ge⸗ ſpießt von den Prätorianern oder niederkartätſcht zu werden aus einer Haußmann'ſchen Kaſerne, dann wird ſie ſchon Courage kriegen, die gute Canaille, und wiſſen, was ſie will.“
Reymond hatte den Kopf zurückgeworfen, ſeine frühverwelkten Wangen glühten, ſeine beiden Mund⸗ winkel waren tief herabgezogen und ſeine Augen leuch⸗ teten, als wolle er die Stube in Brand ſtecken, in der ſie ſich befanden. Louiſon reichte ihm die Hand.
v. Schlägel, Nach uns die Sündflut. II. 2


