Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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gegeben, wie man den Launen einer Kranken nach⸗ gibt, und ſtillſchweigend der Zeit und Ulrich über⸗ laſſen, die geliebte Tochter von jenem Schritte zurück⸗ zuhalten.

Denn Ulrich hatte aus ſeinen Gefühlen kein Hehl gemacht, und über Erneſtinens Herzenszuſtand war, wie es gewöhnlich geht, ihre Umgebung früher klar wie ſie ſelbſt.

In der ernſten, zarten Weiſe, mit der dieſe An⸗ gelegenheit behandelt ſein wollte, ging man dem jungen Paar entgegen. Ein ſtummer Händedruck, eine Um⸗ armung vertraten die lauten Glückwünſche, die ſo we⸗ nig zu dem faſt melancholiſchen Glück des Verhältniſſes gepaßt haben würden.

Nur die Gräfin Tegernheim blieb abſeits ſtehen; ſie empfand es bitter, daß ſie keinen Theil hatte an die⸗ ſem Glück. Es war nichts mehr von Widerſpruch in ihren Gefühlen; ſie hatte ſich ſehr lange mit der Frei⸗ frau von Tondern unterhalten und einen Blick gethan in die Tiefen einer aufopfernden Frauenſeele, daß in ihrer jetzigen Stimmung die Erinnerung der Gräfin das eigene Spiegelbild in abſchreckenden Farben wieder⸗ geben mußte. Jedes tiefempfundene Wort der Freifrau, aus dem ihre grenzenloſe Hingebung zu dem Gatten prach, erſchien der Gräfin wie ein ſchneidender Vorwurf.