Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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Sagen Sie das nicht, Erneſtine, denn das iſt nicht wahr! Es iſt nur Ihr Stolz, der zwiſchen uns ſteht! Sie wendeten ſich erſt von mir, als ich Ihrer unwürdig geworden war, und es ſind doch nicht immer die werthloſeſten Naturen, welche vom Niedrigen unter⸗ jocht werden! Wir haben beide unſere Verirrung ge⸗ ſühnt. Erneſtine, ich liebe Sie grenzenlos und fürchte nichts! Und Sie lieben mich auch, aber Sie fürchten das Urtheil der Welt!

Erneſtine hatte ſich gewaltſam gefaßt. 2

Das Gefühl, welches mich zwingt, Ihrem Edel⸗ muth und meinem eigenen Herzen kein Gehör zu geben, nennen Sie es, wie Sie wollen, Ulrich! Ich darf nicht anders handeln, wenn ich mich nicht für ganz unwerth halten ſoll, unwerth ſelbſt Ihres Mit⸗ leids!

Raſch und krampfhaft ſchnellte der Graf aus dem Fauteuil empor und ſtand einen Augenblick wie dro⸗ hend vor Erneſtinen, um den zum Sprechen geöffneten Mund das Zucken eines gewaltigen Schmerzes und in den Augen den bitterſten Vorwurf.

Plötzlich wich das Blut aus ſeinen Wangen, die Flammen ſeines Zlickes erloſchen; wie ein Trunkener taſtete er um ſich und ſank dann lautlos in den Fau⸗ teuil zurück. Seine Augen waren geſchloſſen, die Lip⸗

v. Schlägel, Die Ritter der Gegenwart. II 18