Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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nach, erſt vor kurzem die Bibliothek Erneſtinens be⸗ reichert haben konnte. Er nahm den Band es waren die Gedichte vom Grafen Moritz von Strach⸗

witz. Mit zitternden Händen durchblätterte er das

elegante Buch, in ſeinen Augen ſchimmerte es ſeltſam wie von nahenden Thränen, und kaum verſtändlich, mit bebenden Lippen murmelte er:

Ich liebte Dich wie der Strom das Thal,

Als wie die Flut den Strand,

Als wie die Elfe den Mondenſtrahl Und wie die Glut den Brand.

Ich liebte Dich wie die Sonn⸗ ihr Licht Und mehr noch viel mehr noch! Hör' an, Geliebter, und ſchaudere nicht: Und treulos ward ich doch!

Das Erſchrecken, mit welchem Erneſtine das Buch bei dem Grafen gewahrte, bewies, daß es abſichtslos in die Hände des Geneſenden gelangt war. Obwohl ſie die Verſe mehr errieth als verſtand, wurde ihr Ge⸗ ſicht ſtarr und wie leblos unter einem übermächtigen Schmerz, und ihre Hände waren wie gelähmt über dem ſammtnen Album in ihrem Schooß. Endlich ſchlug ſie die Augenlider auf und ihre Lippen beweg⸗

ten ſich einige Male lautlos, als müſſe ſie ſich erſt

an die mechaniſche Arbeit des Sprechens gewöhnen,

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