Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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vorgefahren war, hätte man die Ankunft des neuen Majoratserben vernehmen müſſen, wenn die Sinne

der beiden dort Anweſenden noch die Macht gehabt

hätten, äußere Eindrücke in das geheimnißvolle Wogen ihrer Herzen zu tragen.

In dem kleinen roſenrothen Salon, wo Erneſtine einſt dem Freiherrn Angelo ihre Hand verſprochen, empfing ſie heute den Jugendfreund, der zum erſten Male ſeit Wochen ſein Zimmer verlaſſen durfte, um ſich in ein anderes zu begeben.

Sie würden es wohl kaum gehört haben, wenn ein Orkan die Bäume des Parks geſchüttelt hätte, deren Schatten jetzt im leiſen Windhauch auf den duf⸗ tigen Draperien des Fenſters in ſteter Bewegung in einander floſſen, während einzelne verirrte Sonnen⸗ ſtrahlen über die glänzenden Stäbe des lange erloſche⸗ nen Kamins zitterten.

Erneſtine lehnte im Divan und durchblätterte automatengleich ein Album mit Anſichten ferner Ge⸗ genden und den Bildwerken der Kunſt vergangener Jahrhunderte. Schüchtern ſtreifte dann und wann ihr ſcheuer Blick die bleichen Züge des Grafen, der, in ihrem mit den weichſten Kiſſen ausgerüſteten Fau⸗ teuil ruhend, in traumhaftem Schweigen ihre kleine Bibliothek mit den Blicken durchirrte.

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