Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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wurde mir Hermann von Tondern gemeldet, der eben auf einem triefenden Pferde auf Helmberg angekommen ſei und mich zu ſprechen verlange.

Obwohl wir wenig mit Baron Tondern ver⸗ kehrt hatten, der keine beſondere Zuneigung für uns zu haben ſchien und ſeit dem Tode ſeiner Gemahlin überhaupt ſehr einſiedleriſch lebte, ſo hatte ich ihn doch ſtets als einen hochherzigen Menſchen und als einen Muſteredelmann rühmen hören. Die wenigen Male, die ich ihn bei den üblichen Viſiten, bei unſern Ge⸗ ſellſchaften oder denen auf andern Gütern ſah, hatte er

mir einen ſehr angenehmen, ruhigen und überlegenen

Eindruck gemacht. Wir hatten einige höfliche Worte mit einander gewechſelt; aber bei Ankunft meines Mannes brach er jedesmal kurz ab und verließ uns. Er erzählte mir in ſpätern Jahren, daß das ganze Weſen meines Mannes ihm ſtets fremdartig und un⸗ heimlich geweſen ſei, ein Eindruck, den er nur mit Mühe ſo weit überwunden habe, um den geſellſchaft⸗ lichen Formen zu genügen. Mich habe er anfangs nach den Reden der Leute für ein ziemlich unbedeu⸗ tendes Weſen gehalten, das berechnend genug geweſen, im die engen Verhältniſſe des Vaterhauſes gern mit eer Herrſchaft auf Helmberg zu vertauſchen. Als er mich jedoch einigemal geſprochen und längere Zeit