Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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. gierig belauſchte ich dann das eigene Herz, wenn Helm⸗ berg kam, ob nicht ein leiſer Schlag dem heißen Seh⸗ nen gleiche, von dem ich in alten Büchern geleſen. Umſonſt! Es blieb nur Grauen und Entſetzen. Alle alten halbvergeſſenen Freunde kamen wieder zu uns und prieſen mich ob meines hohen Glückes; ich hielt mich endlich für ein herzloſes, undankbares Geſchöpf und fing faſt an mich ſelbſt zu haſſen.

Helmberg betrieb unſere Vermählung mit einer fieberhaften Haſt. Mein Vater nannte das ein Merk⸗ mal ſeiner tiefen ritterlichen Liebe und ſah darin die beſte Bürgſchaft für unſer Glück; mir wollte es ſcheinen, als ſei dabei viel kindiſcher Eigenſinn im Spiele, als ob mein künftiger Gatte ſich Widerſtände ſchuf, die nirgends waren, und triumphirend vor mich hintrat, wenn er ſie beſiegt. Schon wenige Wochen, nachdem wir uns verlobt, zog ich als Deines Vaters Frau in Helmberg ein.

Die Freifrau ſchwieg; es ſchien, als wolle ſie mit dieſer Pauſe auch die Erinnerung an die Zeit ver⸗ ſchwinden laſſen, die jetzt anfing und von der ſie ih⸗ rem Sohne nicht erzählen wollte. Schön konnten jene Zeiten einer jungen Ehe nicht geweſen ſein; denn ſie war bleich geworden, und Ulrich fühlte ihre Hand, die noch immer in der ſeinigen lag, leiſe zittern.