10
„O, ich danke Dir, daß Du gekommen biſt, Ul⸗ rich!“ flüſterte ſie, ſeine beiden Hände faſſend.„Ich haßte die Oeffentlichkeit; aber Tage lang bin ich durch die Straßen der Stadt gefahren und habe durch eine Spalte des Vorhangs geſpäht, um Dich flüchtig zu ſehen, wenn Du mir vielleicht begegnen ſollteſt.— Ich ſah Dich oft, Ulrich!“ fuhr ſie mit einer Art ſchüchternen Stolzes lächelnd fort.„Ich wußte in der letzten Zeit genau, wann Du ausfuhrſt oder ritteſt und wohin, und ich war ſo glücklich, wenn ich Dich ſah! Erſt ſeit Du in Fels biſt, ſah ich Dich nicht mehr. In Fels wäre es aufgefallen, wenn ich ge⸗ kommen wäre, und das wollte ich nicht um Deinet⸗ willen! O, es iſt edel von Dir, daß Du gekommen biſt, Ulrich! Dieſer Augenblick iſt das erſte reine Glück ſeit zwanzig Jahren!“
Und mit ſtrahlendem Geſichte führte ſie den wie⸗ dergefundenen Sohn, den ſie noch immer an beiden
Händen feſthielt, nach dem kleinen Sopha mit der ſteifen Lehne und dem großblumigen Damaſtmuſter.
Dort ſaßen Mutter und Sohn Hand in Hand und ſahen ſich Minuten lang ins Antlitz.
Endlich begann die Baronin wieder: „Und was mich faſt ebenſo ſehr freut als Dein


