Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Angelegenheit, die mich zu Dir führt, hängt zwar mit unſern Plänen und Beſtrebungen innig zu⸗ ſammen, iſt aber an und für ſich ganz unverfänglich und hätte ſich daher auch in Gegenwart Deiner Damen erörtern laſſen. Es handelt ſich nämlich um eine ſolenne Theatervorſtellung, welche Kißnagy für nächſte Zeit beabſichtigt, um den patriotiſchen Sinn unſerer Nach⸗ barn wieder zu entflammen. Kißnagy iſt von ſeinem Theaterdirector ein Trauerſpiel, Zriny' dazu vorgeſchla⸗ gen worden, welches angeblich aus dem Deutſchen über⸗ tragen, aber ſo ungariſch iſt, daß ich das ſogenannte deutſche Original eher für die Verdeutſchung einer ver⸗ loren gegangenen ungariſchen Dichtung halte. Kißnagy will ſelbſt eine Rolle übernehmen. Ich ſoll den Groß⸗ herrn Soliman ſpielen. Die Rolle dieſes Verwüſters ſagt mir zu und ich habe ſie übernommen auf Soli⸗ mam's Gefahr. Es fehlt uns noch die jugendliche Lieb⸗ haberin, für welche mein Freund im Augenblick bei ſeiner Truppe keinen paſſenden Erſatz findet. Ich habe daran gedacht, daß Ilka einmal bei einer Carnevals⸗ vorſtellung recht hübſch und munter ſpielte. Es könnte die Bande, die den alten Herrn bereits mit uns ver⸗ einigen, nur noch feſter machen und uns Kißnagy's Unterſchrift zu der Unabhängigkeitserklärung verſchaffen. Kann ich auf Ilka rechnen?