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Dienſtfertig legte Jolanthe die Hand auf den Drücker der Tiſchglocke und ihr Klingeln rief den vor der Thür harrenden Diener.
„Wer iſt eben in den Hof geritten?“ fragte die Baronin.
„Seine Gnaden, der Herr Graf“, war die Antwort.
„Mein Bruder?“ fragte die Baronin überraſcht und ihr ſchien es, als ob auf Gertrud's Antlitz die Farbe wechſelte.„Er möge mich auf meinem Zim⸗ mer.. 3 „Der Herr Graf ſind ſchon hier!“ meldete der Die⸗ ner ſehr unnöthiger Weiſe, denn Janos trat mit ſeiner ſtolzen, eleganten Haltung raſch ins Zimmer.
Nur ſein Geſicht hatte nicht ganz den gewohnten ſpöttiſch überlegenen Ausdruck, als er ſich zum Kuſſe über die Hand der Schweſter beugte, Ilka die Rechte auf die Schulter legte und ſich tief vor Gertrud, flüch⸗ tiger vor Jolanthen verneigte.
Der Blick der Baronin ſtreifte mit ſchmerzlicher Ironie die unruhigen, verlegenen Züge des Bruders und blieb mit einem Ausdruck verächtlichen Haſſes auf Ger⸗ trud haften, welche den Gruß des Grafen kaum erwidert
und das Auge nicht zu ihm aufgeſchlagen hatte. Dieſes
Benehmen war nur aus einem niederdrückenden Schuld⸗ bewußtſein zu erklären.


