Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ich? Nichts von Bedeutung, Frau Baronin!

Die Art, wie Frau von Lorin ihre Frage ſtellte, hatte Gertrud zu antworten erlaubt, ohne Ilka zu verrathen und ohne die Unwahrheit zu ſprechen.

Mühſam bekämpfte die Baronin ihren Zorn. Aber ein Reſt natürlichen Inſtinkts hielt ſie ab, das eigene Kind mit in das Verhör zu ziehen, und ohne Gertrud einer weitern Frage zu würdigen, ſagte ſie:

Nimm Dir einen Stuhl und ſetze Dich hierher, meine Tochter! Es iſt nicht gut, Dinge anzuhören, die eine Mutter nicht wiſſen darf.

Mit niedergeſchlagenen Augen und einem reizenden Büßerinnengeſicht gehorchte Ilka. Es fiel Gertrud auf, daß ſie keinen Blick der Entſchuldigung, kein Wort der Rechtfertigung für die Freundin hatte.

Gertrud ſaß allein. In das halblaut geführte Ge⸗ ſpräch zwiſchen der Baronin und Jolanthen wurde ſie nicht gezogen.

Da plötzlich richtete die Magnatin den Kopf in die Höhe. Wie bei vielen Kranken, welchen ihr Zuſtand vieles Ruhig⸗ und Alleinſein zur Pflicht macht, war ihr Gehör ſehr ſcharf geworden.

Wer reitet in den Hof? Sandor ſtudirt und Herr von Lorin ſchläft!