zäher, ingrimmiger Freundlichkeit, welche ſich durch keine Kälte und Zurückhaltung abweiſen ließ. Nicht ſelten wurde Gertrud aus tiefſtem Sinnen aufgeſtört durch eine ſchmeichelnde Anrede der ſchönen Wittwe, und ſo einſilbig die Antworten des jungen Mädchens ausfallen mochten, mit grauſamer Beharrlichkeit hielt die Ungarin ihr Opfer feſt, um es zu einer unvorſichtigen Aeußerung, einem Erröthen der Ungeduld, einem verrätheriſchen Blick zu verleiten. Und Gertrud wurde manchmal verwirrt, wenn der Blick der Baronin die dreiſten und verfänglichen Fragen der Freundin ſekundirte. Die junge Deutſche war nicht mehr unbefangen, ſeit ihre Hand in der des Grafen Ketlan geruht hatte, und ſo oft ſein Name genannt ward, zuckten ihre Finger un⸗ willkürlich, als fühlte ſie die faſt ſchmerzhafte Um⸗ klammerung von damals. Sie ahnte auch, daß all die Veränderungen mit den Vorgängen jenes Abends zu⸗ ſammenhingen, und wenn ſie daran gezweifelt hätte, ſo würde ſie durch Sandor's kecke Neckereien aufgeklärt worden ſein, denen ſelbſt in den Geſellſchaftsräumen Niemand wehrte und die oft ſogar zum Ausgangspunkt eines neuen demüthigenden Verhörs gemacht wurden.
Es war tief in Gertrud's edlem Weſen begründet, daß ſie lange nicht an das zunächſt liegende Mittel dachte, die unheimliche Atmoſphäre, die ſie umgab, zu


