237 dem ſcharfen Blick der Magnatin, welcher prüfend auf ihr gelegen hatte. Den ſtrengen Ernſt der Baronin milderte kein Lächeln, auch wenn ſie ſich bei ihren Beobachtungen überraſcht ſah. Daher vermied es Ger⸗ trud ſorgfältig, ihre Gönnerin in ihren Betrachtungen zu ſtören, ſelbſt wenn ſie ſich als Gegenſtand derſelben noch ſo unbehaglich fühlte.
Gegen Ilka war die Baronin anders, unruhig, heftig, dann wieder überflutend von Zärtlichkeit. Gertrud, welche zu den Menſchen gehörte, bei denen Fühlen und Beobachten eins iſt, kam es manchmal vor, als ob die Baronin ihrer Tochter gegenüber ein gewiſſes Schuldbewußtſein nicht unterdrücken könne, für welches ſie wie leidenſchaftliche Naturen faſt ſtets, die Verantwortung wieder dem andern Theile zuſchob. Ilka ward dadurch ſichtlich verwirrt und gequält und ſchloß ſich enger als je an Gertrud an, welche ſie bereits längſt mit Lachen und Thränen von ihrer Beförderung zum Großmeiſter des Malteſerordens in Kenntniß geſetzt hatte.
Eine unheimliche Energie entwickelte ſeit dem Feſte Jolanthe von Valaſy. Sie verließ faſt nicht mehr die Seite der Hausfrau und wurde von dieſer mit demon⸗ ſtrativer Auszeichnung behandelt. Sonderbar war das Benehmen Jolanthens Gertrud gegenüber: eine Art


