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„Das weiß ich noch nicht. Seit wann leſen wir unſere Briefe denn nicht mehr zuſammen?“
„Verzeih'!“
„Es iſt ein langer Brief“, fuhr Gertrud fort, in⸗ dem ſie das Schreiben auseinanderfaltete.„Und ſieh da, Ilka's Photographie! Wie hübſch iſt ſie geworden!
Sie beſitzt nicht mehr den kindlichen Ausdruck von ehe⸗
mals, aber ſie iſt doch noch ein reizendes Geſchöpf, faſt imponirend ſchön. Ob ſie wohl noch immer nicht heirathet?“
„Vielleicht gibt der Brief Aufſchluß. Sie ſchrieb Dir ja einmal, ihre Mutter gerathe ganz außer ſich, wenn nur ein Mann Miene mache, ſich ihr zu nähern.“
„Leſen wir.— Ei, was iſt das? Das ſieht ja aus wie eine Verlobungsanzeige: Ilka von Lorin, Janos Graf Ketlan— Verlobte.“
„Das iſt überraſchend— ſeltſam!“ ſagte Wer⸗ denau.„So haben ſelbſt die Jahre den dämoniſchen Einfluß dieſes Mannes auf die Frauen nicht abzu⸗ ſchwächen vermocht!“
Gertrud antwortete nicht; mit ſtarrem Blick, wie in großer Seelenangſt ſchaute Gertrud über die Ver⸗ lobungsanzeige hinweg ins Freie.
Ein Schatten legte ſich über Werdenau's Geſicht.


