Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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Nähe fort wollte. Vielleicht, ohne daß es mir ſelber klar wurde, hegte ich die heimliche Hoffnung, daß Sie mich lieben könnten, ſetzte ſie kaum verſtändlich hinzu, indem ſie ihr erglühendes Geſicht an Werdenau's Schulter verbarg.

Tiefe Stille herrſchte in dem Gemach, das ſo viele Stürme wilder Leidenſchaft geſehen. Feſt und innig hielten die Liebenden ſich umſchlungen und ließen die Wonne ihrer Seelen ineinander klingen.

Es war nicht die Ruhe nach gewaltigen Stürmen, es war das feſte Vertrauen und die volle Lebensfreude für die Zukunft. Keine romantiſche Vergangenheit lag hinter ihnen, denn die aufregenden Ereigniſſe hat⸗ ten ſie umtobt, wie das aufgewühlte Meer zwei ein⸗ ſame Felſen umbrauſt, und waren machtlos an ihnen zerſchellt. Sie gehörten zu den Menſchen, welche die Güte im Andern inſtinctiy fühlen und das Schlechte aus Naturtrieb zurückweiſen und auf die Welt ver⸗ edelnd wirken durch ihr bloßes Sein.

Da ſchreckte leichtes Pochen an der Thür die in ſich Verſunkenen empor. Ilka trat ein und fragte die Verlobten, ob ſie nicht endlich zu der Mutter kommen möchten, welche ſich danach ſehne, ſie zu beglückwünſchen; auch der Papa ſei eben angelangt und wünſche das Brautpaar zu ſehen.

v. Schlägel, Graf Ketl an der Rebell. II. 16.