Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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als je an meiner Wohnung vorüberfahren ſah. Ich wußte, daß Sie ihn nicht liebten, denn in Ihrer Liebe muß man glücklich ſein.

Werdenau konnte vor Bewegung nicht weiter ſpre⸗ chen. Er kniete neben Gertrud nieder und erfaßte ihre Hände. Seine milden braunen Augen leuchteten in wunderbarem Glanz und mit bleichen Lippen flü⸗ ſterte er:

Gertrud, können Sie mich lieben? Wollen Sie mein Weib werden?

Je zögernder Werdenau geſprochen, als ſuche er, bange vor der Entſcheidung, dieſelbe immer noch hin⸗ auszuſchieben, deſto ruhiger und klarer war es in Gertrud geworden. Alle Schüchternheit war von ihr gewichen; mit einer ernſten heiligen Freude im Antlitz beugte ſie ſich zu ihm nieder und ſagte leiſe:

Sie haben mich falſch beurtheilt! Was mich den Weg finden ließ durch all die Verwirrung von außen und innen, war einzig der Gedanke, daß ich Ihrer Achtung werth bleiben müſſe um jeden Preis! Das, was Sie in mir allein ſuchen, haben Sie ſelbſt in mir erweckt, und wenn ich trotz Schimpf und Verachtung in dieſem Hauſe blieb, ſtatt aufs Gerathewohl in die öde Steppe zu gehen, um dort vielleicht umzukommen, ſo war es nur Ihretwegen, weil ich nicht aus Ihrer