Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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täuſchen konnte, daß das Leben meines Bruders einer raſchen Auflöſung entgegengehe und daß ich durch Ge⸗ ſetz und Ueberlieferung verpflichtet ſei, in ſeine Rechte als Majoratsherr einzutreten, als ich Ihnen ein Ihrer würdiges, geſichertes Loos in der deutſchen Hei⸗ mat bieten konnte, da waren es immer die alten Zweifel, die mir die Lippen verſchloſſen. Ich bin kein Jüngling mehr, Gertrud; ich zweifelte noch, als Graf Ketlan bereits der Verlobte jenes unheimlichen Weibes war. Es koſtete mich einen ſchweren innern Kampf, den Grafen von den unwürdigen Feſſeln zu befreien, die ſein beſſeres Selbſt zu vernichten drohten; denn noch immer glaubte ich nicht, daß Sie ſo ganz anders ſeien als alle andern Frauen und daß die blendenden Eigenſchaften jenes Mannes ihren Einfluß auf Sie verfehlen könnten! Hatte der kühne, trotzige Rebell Ihr Herz nicht gerührt, ſo that es vielleicht der entwaffnete in ſeiner finſtern Trauer. Ich zwei⸗ felte noch, als Sie, jeder andern Rückſicht vergeſſend, ſchreckensbleich nach meinem Leben oder Sterben forſch⸗ ten. Ich hatte Ihnen ja zur Seite geſtanden in einem traurigen Augenblick, und Sie waren edel und dank⸗ bar die lange Oede eines einſamen Lebens macht muthlos! Hoffen, freudig und zuverſichtlich hoffen lernte ich erſt, als ich Graf Ketlan finſterer und trotziger