Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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ihrer mütterlichen Freundin. Als ſie eintrat, ſah ſie ſich Werdenau gegenüber, der ganz allein im Zimmer anweſend war.

Sie wollte fliehen, aber ihre Glieder waren wie gelähmt, ſprachlos und bebend blieb ſie vor ihm ſtehen.

Gertrud, begann Werdenau mit ſeiner weichen Stimme, indem er ſie bei der Hand nahm und zu einem Fauteuil führte; und ſich neben ihr niederlaſſend fragte er:Wollen Sie mich anhören, Gertrud?

Als ſie ſchweigend das blonde Haupt neigte, fuhr er mit bewegter Stimme fort: 3

Ich habe in der letzten Zeit viel Trauriges erlebt. Gründe des perſönlichen Ehrgefühls haben mich ver⸗ anlaßt, einem Stande zu entſagen, dem ich trotz all des Mißlichen, das er mit ſich brachte, doch mit der ganzen Treue einer Jugendneigung anhing. Ich habe vor wenigen Tagen einen lieben treuen Freund begra⸗ ben und mußte meinen einzigen Bruder ſterben laſſen, ohne noch einmal ſeine Hand zu drücken.

Einen Augenblick hielt Werdenau inne; als er in Gertrud's Augen Thränen ſchimmern ſah, fuhr er, die eigene Bewegung bemeiſternd, raſcher fort:

Das Alles war jedoch nicht mächtig genug, eine Empfindung zum Schweigen zu bringen, welche mich faſt ausſchließlich beherrſchte, ſeit Sie, Gertrud, ſo ſchön