6
mir die Liebe hoch und mild und rein— Sie liebe ich nicht, ſo wahr mir Gott helfe!“
Wie Jubel klang es in Gertrud's Stimme und ihre hocherhobene Linke zitterte nicht.
Hörbar preßten ſich des Grafen Zähne aufeinan⸗ der, dann drehte er ihr kurz den Rücken und verließ ohne Gruß das Zimmer.
Ermattet ſank Gertrud nieder.
„Er ſprach von Liebe, Krieg und Mord in einem Athem— das iſt die Liebe nicht!“
Wie ein Raſender war Janos hinweggeſtürzt. Er befand ſich bereits auf der Treppe, als er wenige Stufen weiter unten lautes Gelächter und Rufen hörte.
„Die deutſche Fräulein! Wo iſt die deutſche Fräu⸗ lein? Sie ſoll zum Eſſen kommen, wenn ſie nicht ganz todt iſt. Wenn man krank iſt, muß man ſehr viel eſſen. Ich eſſe mich immer wieder geſund! Hollah, Oerdöck, Hero— wo iſt die deutſche Fräulein?“
Ein lautes Bellen antwortete, deſſen Echo weithin durch die Gänge dröhnte. Es war Sandor, deſſen dicke Geſtalt ſich in einem Knäuel mit ſeinen beiden Hunden die Treppe heraufwälzte und nun, kaum zwei Stufen von ihm entfernt, ſeinem verhaßten Onkel in die verſtörten Züge blickte. Sandor wußte ſehr wohl, daß Janos am andern Flügel wohnte und daß es, wenn


