Teil eines Werkes 
3. Theil (1861)
Entstehung
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ſtehen ſah, hielt ſie verwundert eine Weile in ihrem Gange inne und trat dann ſtolz mit höfiſchen Schrit⸗ ten näher, mich weiter keines Blickes würdigend. Auf ihrer fahlen Wange brannte plötzlich ein rother Fleck, als wäre ihr eine höchſt unerwartete Ueberraſchung zu Theil geworden.

Sehen Sie da, liebe Hohenheim, ſagte die Für⸗ ſtin, nachdem ſich jene noch einmal tief verneigt hatte, da iſt mein nenuer Archiv⸗Rath, Sie können ihm gleich Ihre Glückwünſche ausſprechen.

Die Angeredete fuhr faſt erſchrocken einen Schritt zurück und ihr böſes Auge warf einen durchbohrenden Blick auf mich. Dann aber flog ein unheimliches ſpitzes Lächeln um ihre dummen Lippen, ſie verbeugte ſich in ceremoniöſeſter Form vor mir und ſagte kalt: Auf den Befehl Ihrer Durchlaucht gratulire ich dem Herrn Archiv⸗Rath! worauf ſie ihre Meldung ab⸗ ſtattete und um Erlaubniß bat, ſich wieder entfernen zu dürfen, da ſie wohl ſah, daß die Unterredung der Fürſtin mit mir noch nicht ihr Ende erreicht hatte.

In wenigen Minuten war ich mit der Fürſtin wieder allein. Sie lächelte, als die Gräfin abgetreten

zwar, und ſagte:Nun wird es in wenigen Minuten

die ganze Stadt wiſſen, welches Glück Ihnen wider⸗ fahren iſt, und das iſt mir lieb. Ich möchte Sie

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