Teil eines Werkes 
3. Theil (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

wohl, daß ich bald nach der Abreiſe des Fürſten faſt Reue über meine Weigerung, ihn zu begleiten, empfand, und hätte er mir nur eine einzige Zeile zukommen laſſen, daß er meiner entbehre, ich wäre ihm auf der Stelle mit Courierpferden nachgereiſt. So ſeltſam raſch wechſeln die Stimmungen im Menſchenleben, das dadurch nur zu ſehr ſeine Gebrechlichkeit und Schwäche enthüllt. Und doch möchte ich ohne die Möglichkeit dieſes Wechſels nicht Menſch ſein, denn er iſt es allein, der ihn hebt und trägt auf der ſchaukelnden Woge des Daſeins, und nur die Bewegung, im In⸗ nern wie im Aeußern, ſchützt ihn vor geiſtigem und leiblichem Tod.

Als ich damals einen Tag wie den anderen ruhig und ungewandelt aus der Nacht hervorgehen ſah, kam ein merkwürdig ebbeartiges Gefühl über mich. Mir war zu Muthe, als würde mich das Einerlei des Lebens erdrücken und als hätte ich meine Aufgabe in demſelben ganz und gar verfehlt. Ein nie empfun⸗ denes Sehnen in die Weite, die Fremde, einem un⸗ bekannten Ziele zu, erfaßte mich mit täglich wachſen⸗ dem Ungeſtüm. Wohin ich auch blickte, rückwärts und vorwärts, überall ſchien mir das Licht der bele⸗ benden, erwärmenden Sonne zu fehlen, und ich glaube, ich wäre ernſtlich krank geworden, wenn mein Allein⸗