Teil eines Werkes 
3. Band (1876)
Entstehung
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erhob, als ſcheue er ſich, ſein Urtheil in den Zügen des ſchweigenden Grafen zu leſen, deſſen edlen Cha⸗ rakter und tiefe Bildung ihn mit der höchſten Ver⸗ ehrung erfüllte. Es war nicht die Furcht vor der Rache der Geſetze, die ihm ſeinem hochherzigen Wirthe gegenüber ſo lange den Mund verſchloſſen; ihm war, als könne er es nicht überleben, wenn dieſe ernſten Augen, die ihm oft ſo wohlwollend folgten, mit dem Blick eiſiger Verachtung auf dem entlarvten Verbrecher ruhen würden, wenn dieſer feingeſchnittene Mund, der nur die reinſte Lebensanſchauung geäußert, ihn kalt und kurz von der gaſtlichen Schwelle hinausweiſen würde in das alte Elend, in Schmach und Tod.

Eine Weile vernahm man nichts im Gemach, als das ſchwere Athmen Tempeſta's, und das leiſe Rau⸗ ſchen des Sees, der an den Felſengrund der Inſel ſpülte. Die Sonne ſank allmählig zum Horizont, und langſam ſtiegen die Schatten an den Wänden herauf und verhüllten die ſchimmernden Farben der Gemälde mit eintönigem Grau. Da legte der Graf ſanft ſeine Hand auf die Schulter des in dumpfem Sinnen ver⸗ lorenen Malers:

Kommt, Signor Molyn, es wird Nacht; und Ihr bedürft der Ruhe.

Mit einem leiſen Schrei ſank Tempeſta auf die 2*