. 207 Kunſt. Ich wollte Dich allein haben, Virginia, alle Liebe, jeden Blick, jeden Athemzug, und Deine Ent⸗ fremdung ſtrafte mich dafür. Ich bin klug und ſanft geworden in der langen Krankheit, welche die Tren⸗ nung von Dir mir war. Ich bin ein armer, an Geiſt und Herzen gebrochener Mann, der von den Reſten einſtiger Gluth noch leben möchte, die Du vielleicht für ihn bewahrt. Komm zu mir, Virginia! und ich will Dein treuer Diener, nicht mehr Dein Herr ſein!
8 Luigi.“
Die Marcheſa nahm ruhig ihr Malergeräth und ſtellte es in einer Ecke zuſammen. Dann ordnete ſie den Inhalt ihrer Koffer. Die ihr ſonſt ſo theuren Werkzeuge ihrer Kunſt ließ ſie ſtehen und wandte keinen Blick mehr darnach zurück, als ſie das Zimmer verließ... Nur als der Kellner ſie auf die ver⸗ geſſenen Dinge aufmerkſam machte, ſagte ſie ihm, er ſollte mit denſelben machen, was er wollte.
Dann ließ ſich die Marcheſa der Madame Me⸗ dard melden. Sie war ſo unendlich glücklich, daß ſie von Niemanden in Unfrieden ſcheiden wollte.
Der Wagen ſtand hochbepackt mit Koffern vor dem Thor des Hotels und mit einem Antlitz, das ſein Glück nicht verbergen konnte, ſtieg die Marcheſa
am Arme der Madame Medard die Treppe herunter.


