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Würdevoll machte der Direttore die Honneurs des Hauſes.
„Und Sie wollen noch nicht zu Ihrem Gatten zurückkehren?“ ſagte Virginia ſanftlächelnd zu der Genferin, welche ihr früher ſo viele öde Stunden durch ihr Geplauder verkürzt hatte.
Madame ſchüttelte energiſch den Kopf:
„Pas encore— Es iſt noch zu heiß dazu. In der Hitze langweilt man ſich noch mehr als ſonſt, und wenn man ſich langweilt, zankt man ſich. Im Winter dagegen, wenn man gezwungen iſt, die Füße an daſſelbe Feuer zu ſtrecken und ſich gegenſeitig die Zei⸗ tung vorzuleſen, accommodirt man ſich eher.“
„und wenn Ihr Gatte Sie nun plötzlich zu ſich riefe?“ 1
„Er wird ſich hüten. Und wenn er es thäte— je m'en moquerai bien! Doch reden wir von etwas Vernünftigem! Was ſoll ich mit dem jungen Bauern anfangen, wenn er wieder kommt, um gemalt zu werden. Sie haben ihn doch für morgen beſtellt?“
Die Marcheſa wurde purpurroth. Im Taumel des Glücks hatte ſie den armen Pietro, der ihre Ge⸗ danken doch einige Stunden faſt ausſchließlich beſchäf⸗ tig hatte, gründlich vergeſſen. Die Worte der Gen⸗ ferin riefen ihr plötzlich wieder Alles in's Gedächtniß


