Teil eines Werkes 
1. Band (1876)
Entstehung
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Schweſter hat oft ihre liebe Noth mit ihr“, plauderte der alte Herr redſelig fort,„ſie iſt ſo ganz anders wie ein Mädchen unſerer Stadt und hat darum auch keinen rechten Verkehr mit ihnen. Aber ich hoffe die Reiſe ſoll ihr gut thun, ſie iſt ſchon viel verſtändiger geworden.“

„Armes Kind!“ tönte es durch die Seele des Schloßherrn,„ſolchen Händen iſt Deine Jugend an⸗ vertraut!“

Geſchickt lenkte er dann das Geſpräch in eine andere Richtung, erklärte dem Naturforſcher die Ge⸗ gend, nannte ihm die Namen der Berge, die duftig und faſt greifbar nahe in der reinen Luft ſchwammen, und warf hin und wieder verſtohlen ungeduldige Blicke hinter ſich.

Roſe erſchien nicht; die Jugend hatte energiſch ihr Recht verlangt und ſie ſchlief noch immer. Daher bemerkte ſie auch nicht, daß der Fremde geräuſchvoll unter der Thüre erſchien. Er hatte den alten Herrn unter einem Vorwande verlaſſen und ſtand nun vor⸗ gebeugten Hauptes lauſchend auf der Schwelle.

Roſe's ſchönes Haupt ruhte leicht geneigt an der hohen Stuhllehne; die Hände waren über die Bruſt gefaltet, und in weichen Ringeln fielen die halbge⸗ löſten blonden Haare über die zartgeformten Schultern.