Teil eines Werkes 
1. Band (1876)
Entstehung
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Die langen, auffallend dunklen Wimpern beſchatteten ihre ſchlummergerötheten Wangen und ein friedliches Lächeln lag um den kleinen, halbgeöffneten Mund.

Der Fremde athmete raſcher, ſeine Hände zuckten, als wolle er ſie nach der Schlafenden ausſtrecken, und in ſeinen Augen ſchimmerte es feucht:

Wenn die Kinder im Schlafe lächeln, ſpielen ſie mit den Engeln, murmelte er, ſich einer alten Kinderſage erinnernd, und preßte die Hände auf die Bruſt, als fürchtete er, der laute Schlag ſeines Herzens könne Roſe's Schlummer ſtören. Da regte das junge Mädchen ſich unruhig unter ſeinen Blicken, lautlos wie ein Schatten glitt er hinaus.

Wenige Minuten darauf erſchien auch Roſe im Freien, heiter und friſch wie der Morgen um ſie her.

Sie ſchloß ſich den Herren an, und in lebhaften Geſprächen wandelten ſie unter den grünumrankten Trümmern umher. Die Luft war rein und kühl; die Berge ſtanden in feinen, ſcharfen Umriſſen gegen den blauen Himmel, und auf dem See, der das Schloß umgab, blitzten zitternde Sonnenlichter. Die Spitzen der Gräſer erſchienen bereits über der Waſſerfläche und einzelne große Blumenkelche ſchwankten im Morgenwind.