Teil eines Werkes 
1. Band (1876)
Entstehung
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Roſe ſenkte die Augen und beſchattete ihr Geſicht mit dem Fächer.

„Sie gleicht ihm nicht“, antwortete ſie dann zögernd, „ſie iſt in Allem der Gegenſ ſatz zu ihm.“

„Und Sie ſind genöthigt, mit den beiden alten Herrſchaften zu leben?— Armes Kind!“ ſagte der Schloßherr kaum hörbar.—„Wie alt ſind Sie?“ fragte er plötzlich unvermittelt.

Mit großen Augen ſah Roſe den Fragenden an. Aber ſeine Züge drückten keine gewöhnliche Neugier aus, im Gegentheil lag ein ſolches Gemiſch von Schwer⸗ muth und Theilnahme in ſeinen großen braunen Augen, daß das junge Mädchen völlig vergaß, wie wenig gebräuchlich in der guten Geſellſchaft eine ſolche Frage war, und ruhig antwortete:„Neunzehn Jahre.“

„Jung genug, um die Wahrheit zu ſagen!“ mur⸗ melte der Schloßherr.„Zehn Jahre weniger als ich— das iſt eine lange Zeit! Ich möchte wiſſen, ob nach zehn Jahren Ihre Augen noch denſelben Kinderblick haben, wie jetzt, ob Sie noch ſo heiter lachen können, wie vorhin.“

Und träumeriſch ſtarrte er in die Glut. Nach einer Weile begann er wieder:

„Als ich Sie heute Nachmittag von fern auf den Trümmern von Roöll⸗Bô ſitzen und zeichnen ſah, faßte