207 ihn nie zufriedeuſtellen; meine Bilder ſeien ungenau und machten den Forſcher nur irre, behauptete er.“
Die Augen des jungen Mannes ruhten ſinnend auf dem lebhaft ſprechenden Mädchen. Als ſie erröthend ſchwieg, ſagte er leiſe:
„Ja, ja, das iſt der Unterſchied zwiſchen Kunſt und Wiſſenſchaft! Der Genius der Poeſie flieht vor dem Mikroſkop des Gelehrten...“
„Das iſt das Beſte, was er thun kann“, warf der Profeſſor trocken ein.„Der Genius der Poeſie hat die Wiſſenſchaft um keinen Schritt weiter gebracht; er mag ſehr angenehm ſein für Dichter und junge Damen— der Gelehrte hält ſich indeß an die ein⸗ fachen Thatſachen; er muß es zum Heil der Menſch⸗ heit!“
„Der Menſch lebt nicht von Brod allein“, ſagte der junge Mann halblaut, daß es wie ein Seufzer klang, und wieder ſtreifte ein theilnehmender Blick Roſe's ſein ernſtes Geſicht. Er war anders wie die jungen Leute, die ſie bisher kennen gelernt. Wer mochte es ſeln— was trieb er in der Welt, im bürger⸗ lichen Leben?— Vielleicht war er ein verwandter Nachkomme jenes Geſchlechts, welches das Schloß im Sumpf gebaut hatte, und deſſen einſtige Größe zer⸗ fallen war wie ſeine gewaltigen Mauern?...


