206
„Wie ſollte ich nicht! Man ſagte mir, der Wein ſei der Reichthum und der Segen dieſes Landes.“
„Wie man's nehmen will! In ungeſchickten Händen verkehrt ſich ja der Segen ſo leicht zum Fluche!“
Verwundert blückte Roſa zu dem jungen Manne auf, in deſſen Stimme es klang wie leiſe Bitter⸗ keit... hatte er ſelbſt, deſſen ſchöne Züge ihr ſo edel und männlich erſchienen, bereits unter dieſen„un⸗ geſchickten Händen“ zu leiden gehabt?
Er bemerkte ihren Blick und ſagte in leichterem Tone:
„Mich wundert, daß Sie das Nahen des Un⸗
wetters nicht bemerkten, es war kaum zu verkennen.“
„Ich war in die herrliche Fernſicht und meine Arbeit ſo ſehr vertieft, daß ich in dieſer köſtlichen Ein⸗ ſamkeit an Nichts mehr dachte, und auch der Onkel vergißt alles Andere über ſeinen Blumen; er iſt Botaniker mit Leib und Seele.“
„Und Sie intereſſiren ſich nicht für dieſes Studium? Lieben Sie die Blumen nicht?“
„Weil ich ſie zu ſehr liebe, kann ich es nicht leiden, daß man ſie auseinander zupft und zerrt und in ihre kleinſten Theile zerlegt, bis weder Form noch Farbe zu erkennen ſind! Der Onkel ließ mich früher beſonders ſchöne Exemplare malen, aber ich konnte


