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209 neinen Mann nicht haſſen, trotzdem mich ein Grauen vor den düſtern Grundſätzen erfaßt, zu denen er immer wieder nach einem Aufwallen beſſerer Regungen durch den verderblichen Wahn, die barbariſche Selbſtſucht ſeines Volkes hingezogen wird!“
Lucy ſchwieg. Sie befand ſich in heftigſter Er⸗ regung, ihr ganzes Weſen zitterte bis in das Innerſte ihrer Seele hinein.
Arnau nahm das inhaltſchwere Geſpräch nach einer peinlichen Pauſe wieder auf.
„Sie ſind erſchüttert, Lucy“, ſagte er,„reden wir von andern Dingen. Was ich noch zur Ent⸗ gegnung auf dem Herzen habe, darf ich jetzt nicht aus⸗ ſprechen.“
„Sie dürfen es, Albert“, unterbrach ihn die junge Frau lebhaft,„ſei es noch ſo hart, was Sie mir zu ſagen haben! Ich befinde mich in einer ſo ver⸗ zweifelten Lage, daß ſelbſt die ſtreng verurtheilende Stimme eines Freundes für mich einen Troſt in ſich ſchließt, wenn es nicht gänzliche Verachtung iſt, was er für mich hat, den Troſt der Theilnahme für ein armes Gemüth, dem Pflicht und Liebe gebieten, in einer unſeligen Stellung auszuharren, und das zugleich von Angſt um die Wahrung ſeiner Menſchenwürde erfüllt iſt! O geſtehen Sie es, mein Freund, Sie ſchwanken
Adolf Schirmer, Die Spionin. II. 14


