217
eingeſtellt, der alte, kranke Herr ſeinen Willen kundgege⸗ ben, und dieſer war in aller geſetzlichen Form niederge⸗ ſchrieben worden. Schwarz wußte die Gräfin als Haupt⸗ erbin. Und auch die Komödie der Heuchlerin vor dem Arzte war gelungen. Die Dienſtleute des Hauſes hielten unbedingt ihre Herrin für leidend, als dieſe ſchon in früher Nachmittagsſtunde ſich im erſten Stocke des Pavillons zu Bette begab. So war der Ausführung des ſchrecklichen Planes alles auf's Beſte vorbereitet. Graf Karl hatte eingewilligt, ſeinen Vater aufzuſuchen, und verſprochen, pünktlich zu der gewünſchten Zeit draußen erſcheinen zu wollen.— Ein Mißlingen des Planes ließ ſich alſo kaum mehr befürchten.
Aber dennoch ſtand Schwarz eine furchtbare Marter aus, ſeine Phantaſie war geſchäftig, er hätte es in dieſem Augenblicke faſt vorgezogen, die That ſelber zu begehen, ſtatt fern vom Schauplatze derſelben einer herzbeklemmenden Ungewißheit preisgegeben zu ſein.
Als er den Weg zum Kaffeehauſe eingeſchlagen, da war ihm mehr als einmal der Gedanke gekommen, in einen Wagen zu ſpringen, zur Villa hinzueilen, und die grauenhafte That zu verhindern. Aber dann war ihm auch im Geiſte das Antlitz der Gräfin erſchienen, er ſah ſie ihn höhniſch anblicken und verächtlich lächeln, und es war ihm, als vernehme er ihre Worte:„Biſt Du ein Mann?“


