Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

187

„Du mußt ihn zwei Stunden vor der Zeit, in der er hier zu erſcheinen hat, davon benachrichtigen, daß ihn ſein Vater zu ſehen wünſche!“ antwortete die Dame anſcheinend kaltblütig.—„Weigert er ſich zu kommen, ſo bleibt Dir Muße genug, mich davon in Kenntniß zu ſetzen. Aber er wird kommen, Fritz, ich kenne den Grafen Karl noch beſſer als Du!“

Schwarz blickte die Gräfin an, welche ſo zuverſichtlich geſprochen hatte. Er lächelte faſt höhniſch.

„Das iſt freilich kein Wunder!“ verſetzte Schwarz— „Du beſchäftigteſt Dich lange genug mit ihm, bevor ich nach Heiligenbrunn kam! Ich bewundere Dich,““— fuhr er ernſthaft und beinahe kleinmüthig fort—„ich geſtehe Dir, daß mir vor Dir graut!“

Die Gräfin lächelte kalt, dämoniſch.

„Thörichter,“ antwortete ſie,—„geſchieht nicht alles, was ich beginne, zu unſerem Glücke? Soll uns alles entgehen, wonach wir jahrelang getrachtet haben? Jetzt, wo alles auf dem Spiele ſteht, müſſen wir han⸗ deln, und dürfen uns nicht durch kleinliche Skrupel beirren laſſen! Ich will nicht mit einem Witwengehalte abgefunden ſein, und nicht jeden Augenblick in der Furcht ſchweben, daß ich durch den Grafen Karl den Einfluß auf ſeine Schweſter Agnes verlieren könne, die ich noch eines Tages mit guter Manier in ein Kloſter zu bringen hoffe. Fritz, ich ſage Dir noch Eines! Als Du mich