181
der Holzzierrathe gegriffen, und nun zog er kraftvoll und behende den Körper nach. Im nächſten Momente hing er an dem Schnitzwerke und ſetzte ſeine Füße in dasſelbe. Er athmete hoch auf, denn nun war das Ge⸗ fahrdrohendſte abgethan und der Balkon leicht erreichbar.
Wie der Matroſe die Strickleiter im Sturme mit Sicherheit hinabklettert, ſo ſtieg Bülow, während der Orkan ihn jetzt umbrauſte, am Schnitzwerke nieder.
Und nun erreichten ſeine tappenden Füße das ſteinerne Geländer des Balkons, ſie berührten in der nächſten Sekunde lautlos den Boden deſſelben.—
Bülow drückte ſich an die geſchnitzte Seitenwand und warf einen haſtigen Blick durch eine der Schei⸗ ben der mit halbdurchſichtigem Mouſſelin verhängten Glasthür.
Er überſchaute, wie durch einen Schleier, ein alter⸗ thümlich drapirtes, mit Rococomöbeln ausgeſtattetes Zimmer.
Auf dem Sopha deſſelben ſaßen die Gräfin Ho⸗ henfeld und— Bülow erſtaunte über dieſe Vertraulich⸗ keit— der Sekretär Schwarz.
Bülow näherte ſich behutſam der Glasthüre, hockte dort, der größeren Vorſicht halber, auf den Steinboden nieder, und ſchaute in das Zimmer und auf das Paar.
Die Gräfin trug ein leichtes, elegantes Hauskleid. Ihre Wangen waren blaſſer als gewöhnlich, der Blick


