Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
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mit demüthiger, gottergebener Miene, einer Madonna gleich, alle Anklagen ruhig über ſich ergehen ließ, da entſpann ſich ein furchtbarer Auftritt zwiſchen Vater und Sohn, der damit endete, daß der Graf den jun⸗ gen Mann verſtieß. Am Tage darauf fand die Ver⸗ lobung des Grafen mit der Gouvernante ſtatt. Der Sohn aber hatte Heiligenbrunn verlaſſen, und iſt, wie geſagt, bis auf die heutige Stunde verſchollen geblieben!“

„Und wie lebten ſeitdem der Graf und ſeine Toch⸗ ter?“ fragte Bülow geſpannt.

„Ich weiß es nicht!“ erwiderte Walter.

Er ſtockte einen Augenblick, dann ſuhr er fort:„Ich beſuchte meinen Univerſitätsfreund Karl, und war in Hei⸗ ligenbrunn während ſich jenes traurige Ereigniß abſpielte. So erfuhr ich es. Mein Freund aber verließ vor mir Heiligenbrunn, ich ſah ihn nicht wieder. Und bevor noch der Graf den Landaufenthalt mit der Reſidenz wieder vertauſchte, ohne Zweifel durch die neue Gräfin dazu beſtimmt, hatten mich ſchon mißliche Verhältniſſe von hier fortgetrieben.“

„Halten Sie den Grafen jetzt für glücklich?“ fragte Bülow eindringlich.

„Ihn ſo wenig, wie ſeine Tochter!“ ſeufzte Wal⸗ ter nach einer kurzen Pauſe.„Ein Charakter, wie der⸗